Auf der Jagd nach dem Bukett
des Sommers
Die Suche nach außergewöhnlichen Weinen ist für Birgitt Mockler, Sommelière des InterContinental Düsseldorf, Leidenschaft und Mission zugleich.
Als Agentin des perfekten Weingenusses jettet sie um die Welt, lässt sich aber auch gerne überraschen, welch hervorragende Qualität direkt vor ihrer Haustür entsteht.
Birgitt Mockler verrät, was bei ihr derzeit im Glas ist und welche Sorten in diesem Sommer die Trends setzen.
Sommelière mit Sinn fürs Authentische
Birgitt Mockler zählt zu den gefragtesten Weinexpertinnen des Rheinlandes. Rund 300 erstklassige Weine stehen aktuell auf der Karte des Restaurants CALIGA sowie der „bar fifty nine“ im InterContinental Düsseldorf, für die Birgitt Mockler die Verantwortung trägt.
Auf 500 Weine möchte sie diese Auswahl in den nächsten Jahren erweitern. Dafür geht die gebürtige Ludwigsburgerin beinahe täglich auf die Jagd. Sie besucht Winzer vor Ort, schaut sich ihre Weinberge und Keller an. Bei einem vollen Terminkalender genießt sie besonders die einzigartigen Momente, auf dem Weingut zu stehen oder mit einem Glas in den kleinen Bänken zwischen den Weinreben den Tag ausklingen zu lassen. Sie schwärmt für das herrliche Licht, bei dem alle Farben leuchten.
Da jedoch auch ihr Tag nur 24 Stunden hat, legt sie großen Wert auf den Austausch mit Kollegen. „Speziell bei uns im Rheinland herrscht eine geballte Präsenz von Spitzensommeliers. Wir arbeiten regional eng zusammen und treffen uns oft auf Verkostungen irgendwo zwischen Köln, Bonn und Düsseldorf.“
Der Geschmack des Sommers
„Gäste bitten mich täglich um eine Empfehlung. Das ist eine schöne Herausforderung für mich“, sagt die Weinexpertin, die Top-Restaurants und Catering’s Best in ganz Deutschland berät „Denn jede Empfehlung ist ein Stück weit auch die Interpretation einer individuellen Situation.“
Für die heiße Jahreszeit empfiehlt sie vornehmlich Weißweine. „Der ideale Sommerwein ist leicht, einfach strukturiert, erfrischend, fruchtig und schlank“, sagt Birgitt Mockler. „Durch ihren niedrigen Alkoholgehalt sind weiße Sommerweine auch für Events sehr gut geeignet. Doch auch Rosés machen als Begleiter durch warme Nächte eine gute Figur." Selbst beim Rotwein sagt die passionierte Insiderin im Sommer nicht kategorisch nein. „Einige Rotweine passen ebenfalls gut ins Profil, die schmecken auch gekühlt einfach sensationell. Etwa der aus meiner Heimat stammende Trollinger oder auch ein leicht gekühlter, nicht im Barrique ausgebauter, Rotwein aus Portugal."
Einheimische Weine sind gefragt

Besonderes Augenmerk legt Birgitt Mockler auf die deutschen und österreichischen Weingüter. „Ich bin schwer beeindruckt, was da gerade passiert“, sagt die Sommelière. „Es sind oft Winzer zwischen 25 und 40 Jahren, die ihre Erfahrungen auf der ganzen Welt gesammelt haben und sie jetzt in die meist sehr traditionsreichen Weingüter ihrer Familien einfließen lassen. Dabei sind viele tolle Produkte mit riesigem Potenzial entstanden, die auch international punkten. Es gibt kaum eine nennenswerte Weinmesse in Übersee, auf der deutsche und österreichische Güter nicht mit Spitzenweinen vertreten wären.“
Von den Großeltern lernen
Das Geheimnis der Qualität ist laut Birgitt Mocklers fester Überzeugung zuerst im Weinberg zu finden. Die wichtigsten drei Fragen, die sich deutsche Winzer aus ihrer Sicht deshalb stellen sollten, lauten: Was haben wir vor der Haustür? Welche Sorten wurden durch frühere Generationen hier angebaut? Womit waren sie erfolgreich?„In den meisten Fällen ist die Antwort darauf genau die richtige Wahl für den Boden und das Klima“, erklärt sie. „Riesling zum Beispiel gehört nach Deutschland. Warum sollte man ihn also aus der ganzen Welt herholen?“ Dass dieses Umdenken buchstäblich Früchte trägt, verzeichnet die Sommelière mit Genugtuung. „Der ökologisch orientierte Weinbau auf sauberen Böden ist für viele der hiesigen jungen Winzer nicht nur ein Trend, sondern zugleich eine Lebenseinstellung“, erzählt die 38-Jährige, die sich auch als Fördermitglied bei „Slow Food“ engagiert. Slow Food ist eine weltweite Non-Profit-Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und die regionale Geschmacksvielfalt zu bewahren.
Die Favoriten der Saison

Welche Weine sind es nun, die Birgitt Mockler zu ihren Lieblingen des Sommers 2008 kürt? Als erklärtem Riesling-Fan bereitet ihr der 2007er Sommerpalais Riesling vom Weingut Reichsgraf von Kesselstatt sehr viel Freude. „Die Rieslinge des Weingutes waren schon immer ein Highlight, umso schöner ist es, einen leichten 'Sommerpalais' einfach auch mal so genießen zu können. Bemerkenswert sind hier die Steillagen. Zwischen den Schiefersteinen da oben kann man sich kaum halten.“ Der Schiefer ist einzigartig und verleiht den Rieslingen einen unverkennbaren Geschmack – knackig, frisch mit einem belebenden Duft von Zitrusfrüchten und Pfirsich. Eine weitere Voraussetzung für diesen außergewöhnlichen Wein ist neben der extensiven Weinbergspflege auch die selektive Handlese.
Für einen zart abgerundeten Geschmack, der nicht komplett trocken ist, steht der Riesling Charm des Weinguts Georg Breuer. Dieser „Charm“ ist wirklich charmant. Er präsentiert sich im Glas saftig und lebendig mit Noten von Grapefruit, Passionsfrucht und Pfirsich. Georg Breuer und sein Team gehen konsequent den Weg zum naturgemäßen Weinbau: geringe Erträge, Aufweichung der Monokultur und saisonale Begrünung.
Seit Jahrzehnten ein Begriff für Premiumweine aus Spitzenlagen ist das Weingut Dr. Heger aus Ihringen. Besonders mit seinem Spätburgunder Rosé wurde es auch über die badischen Grenzen hinaus bekannt. Zarte Erdbeeraromen mit lebendiger Säure sowie ein filigraner Duft nach roten Beeren stehen für badische Qualität.
„Der Silvaner aus Schloss Castell ist meine Wiederentdeckung für 2008. Eine ganze Familiendynastie wirkte am Erfolg des Castellschen Domänenamts mit. Bereits seit dem 17. Jahrhundert ist der Silvaner hier beheimatet. Verhaltender Apfel-Kräuter-Duft, saftig, hell, dezente Säure, grundsolide stetig. Typisch Franken!“ Einst auch Boxbeutelrebe genannt, ist der Silvaner heute weltweit ein Botschafter fränkischen Weines. 2009 feiert das Schloss Castell übrigens 350 Jahre Silvaner!
Birgitt Mocklers aktueller Österreichfavorit kommt aus dem Weingut von Alois Gross. „Alois Gross ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich liebevoll neueste Kellertechnik und Verkostungsräume in ein außergewöhnlich schönes Weingut integrieren. Der Gelbe Muskateller wird hier trocken ausgebaut, schlank und knackig. Er besticht durch intensiv-fruchtige Duftfülle, Aromen von Zitrus, Pfirsich und Litschi mit Anklängen von Rosenblüten. Am Gaumen setzt sich die tiefe Frucht begleitet von nussiger Würze fort. Steirische Klassik in Bestform. Toll!“
Spritzige, witzige und leicht gemachte Weine machen das ganze Jahr hinweg Spaß. Für Birgitt Mockler sind die Sommerweine deshalb auch nach dem Sommer noch aktuell. Vielleicht, um sich im Herbst oder Winter ein bisschen Sommerstimmung zurückzuholen?
Das Bukett des Sommers
- Sommelière mit Sinn fürs Authentische
- Der Geschmack des Sommers
- Einheimische Weine sind gefragt
- Von den Großeltern lernen
- Die Favoriten der Saison